Kein Verzicht, sondern Bereicherung: Energie- und Klimaschutzprojekte für Matrei

Energie- und Klimaprojekte in der Gemeinde durchzuführen, heißt nicht automatisch, dafür Gelder für Investitionen ausgeben zu müssen. Es gibt zahlreiche Partner in Tirol, mit denen Kooperationen eingegangen werden können. Von ihnen erhält man auch – meist kostenlos – Informationen und Unterlagen (etwa für Schulungen, Prospekte zum Auflegen, Plakate, etc.); außerdem hat man immer wieder die Möglichkeit an geförderten Projekten teilzunehmen, deren Ablauf bereits standardisiert sind. – Was bedeutet, dass in der Gemeinde kein zusätzliches Know-how aufgebaut werden muss und der Kosteneinsatz minimal ist.

„Die meisten Menschen fangen viel zu früh an, die wichtigsten Dinge im Leben zu spät zu beginnen.“ (Stanislaw Jerzy Lec, Polnischer Satiriker)

Matrei ist zwar schon seit 1998 Klimabündnis-Gemeinde (und zahlt damit einen Mitgliedsbeitrag!) nützt jedoch das Angebot des Klimabündnisses Tirol nicht. Hier zwei Projektbeispiele, die Matrei bis dato nicht in Anspruch genommen hat, die für unsere Gemeinde aber (noch immer) sehr interessant sein könnten:

Teilnahme am Projekt „Gemeinde mobil“

„Gemeinden mobil“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und dem Klimabündnis Tirol, unterstützt mit nationalen Mitteln des Landes Tirol sowie kofinanziert durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (INTERREG IV A).
Ziel des Projekts ist die Verminderung des Verkehrs von Privat-PKWs, indem die Vorteile des öffentlichen Verkehrs, des Radfahrens und Zufußgehens wieder ins Bewusstsein gerückt wird. Das Projekt sieht folgenden Ablauf vor:

  1. Einrichtung einer Mobilitätszentrale im Gemeindeamt:
    Dazu werden eigene Mobilitätsberater/-innen ausgebildet, die die Bürger/-innen über das öffentliche Verkehrsangebot in der Gemeinde informieren (Busangebot, Radwege, Mitfahrbörsen, etc.). Teilnehmende Gemeinden erhalten dafür eigene, handliche Taschenfahrpläne, Informationspakete für Neuzugezogene (inkl. Gratis-Schnuppertickets für den VVT) sowie Infos zu Fahrplatzvermittlungen. Die Mobilitätsberater/-innen werden außerdem beraten und geschult, beispielsweise für die Bedienung von Fahrplanauskünften über das Internet.
  2. Einrichtung eines Gemeinde-Mobil-Portals auf der Gemeinde-Website
    Auf der neuen Seite sollen Fahrplanabfragen durchgeführt, Haltestellen und Ticketpreise abgefragt oder auch Fahrgemeinschaften gebildet werden können. Tipps zum Spritsparen sind ebenso zu finden wie Hinweise für Radfahrer/-innen und Fußgänger/-innen. Für das Portal erhält die Gemeinde alle schriftlichen Vorlagen bereits fix und fertig.

Vorgesehen ist außerdem, dass die am Projekt teilnehmenden Gemeinden vernetzt sind und ihre Erfahrungen austauschen. Dafür gibt es eine eigene Projekthomepage und eine jährliche Impulsveranstaltungen zu Verkehrsprojekten. Für die Gemeinde würde außerdem ein eigenes Logo („Matrei mobil“) angefertigt werden.
In Osttirol nehmen bereits Dölsach, Sillian und Virgen sowie das Defereggental (als Region) am Projekt teil.
Infos: www.gemeindenmobil.at

Teilnahme am Projekt „Pedibus“ für Volksschulen

Gemeinden mobil können außerdem auch am Projekt „Pedibus“ teilnehmen. Dabei handelt es sich eigentlich um einen „Schulbus auf Füßen“. Volksschulkinder werden auf ihrem gemeinsamen Weg zur Schule von Aufsichtspersonen zu Fuß begleitet, dabei werden entlang fixer Routen Haltestellen abgegangen. Damit soll der Bring- und Abholverkehr zur Schule reduziert werden, für die Eltern bedeutet dies zusätzlich eine Zeit- Stress- Entlastung. Außerdem könnten die Kinder „Kilometer-Sammeln“ und so zusätzlich motiviert werden. Die (ehrenamtlichen) Aufsichtspersonen erhalten für Ihre Arbeit ein Unterstützungspaket. ExpertInnen von Klimabündnis Tirol stehen kostenfrei zur Verfügung, um die Gemeinde bei der Umsetztung zu beraten.

Auch Energie Tirol bzw. das Regionsmanagement Osttirol würden als Kooperationspartner für die Gemeinde zur Verfügung stehen. Beispielsweise bei:

Energie Service Osttirol direkt in der Gemeinde

Beim Energie Service Osttirol handelt es sich um einen kostenlosen Energieberatungsservice, der einmal im Monat (meist jeden ersten Freitag im Monat) allen Osttiroler/-innen zur Verfügung steht. Ein ausgebildeter Energieberater informiert (produktneutral) über Wärmedämmungen, Heizsysteme, Fenster / Verglasungen, Energieförderungen, Energieausweise, etc. Normalerweise werden die Beratungen im Büro des Regionsmanagement Osttirol abgehalten; immer wieder gibt es aber – auf Wunsch der Gemeinden – Beratungen in den einzelnen Tälern, wie bereits im Virgental (in Virgen) oder im Defereggental (in Hopfgarten). Auch Matrei könnte diesen Service in Anspruch nehmen, da er – abgesehen vom Druck eines Postwurfs und der Koordination der Anmeldungen – mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Gratis-Check von kommunalen Gebäuden
Energie Tirol wird im Jahr 2010 einige kommunale Gebäude gratis energetisch untersuchen. Grundlage dafür ist allerdings die Erhebung des derzeitigen Ist-Energieverbrauchs, der in Zusammenarbeit mit dem Regionsmanagement Osttirol durchgeführt wird. Nach dem Motto „Wer zuerst kommt, malt zuerst“ werden dann jene Gemeinden (tirolweit) ausgewählt, bei denen ein derartiger, umfangreicher und kostenloser Check am sinnvollsten ist.

Gerade Matrei kann das Image als Nationalpark-Gemeinde, deren Ziel eine nachhaltige Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung der landschaftlichen Ressourcen sein sollte, durch Projekte im Bereich der Energie zusätzlich stärken. So wären – auch unter touristischen Aspekten – folgende Projekte sinnvoll:

Ausbau der Elektromobilität in Kooperation mit dem Nationalpark Hohe Tauern

So könnten beispielsweise – ähnlich wie bereits im Defereggental oder im Kärnten- und Salzburg Teil des Nationalparks Hohe Tauern auch in Matrei Elektro- Fahrräder angeschafft werden und Leihstationen beispielsweise am Kessler Stadel oder im Tauernhaus eingerichtet werden.
Bis 2012 besteht die Möglichkeit im Rahmen des Klima:aktiv mobil Förderungsprogrammes an der Sonderaktion „Elektro – Fahrräder“ teilzunehmen. Dabei wird die Anschaffung von maximal 10 Elektro- Fahrrädern gefördert. Die Förderungshöhe beträgt pro Elektrofahrrad pauschal EUR 200.-bzw. EUR 400.- bei nachgewiesenem Einsatz von Ökostrom.

Marketing für den Iseltal-Radweg

Der Draurad-Weg gilt als Osttiroler Vorzeigeprojekte. Viele Radler/-innen strömen jeden Sommer nach Lienz. Sie würde auch sicher der Iseltal-Radweg nach Matrei begeistern, wenn dieser attraktiv gestaltet wäre. Hier könnten neben Investitionen in den Weg auch „Rastoasen“ an der Isel geschaffen werden. Eine Kooperation mit Rafting-Unternehmen wäre außerdem denkbar.

Neben dem touristischen Bereich wäre es sinnvoll, folgende Energie-Projekte für die Matreier Wirtschaft umzusetzen.

Vernetzung der Matreier Unternehmen im Bereich der Energie

In Matrei gibt es mit der Regionalenergie, der IDM und Haustechnik Egger Vorzeigebetriebe im Bereich der Energie. Um Matrei als Wirtschaftsstandort in dieser Sparte etablieren zu können, sollten diese Betriebe untereinander vernetzt und mit Projekten auf sie aufmerksam gemacht werden.

Einführung eines Gemeindetaxis ähnlich dem Virger-Mobil

Da alle Geschäfte mit einem längeren Spaziergang verbunden sind, warten besonders ältere Menschen oder körperlich Beeinträchtigte auf eine Mitfahrgelegenheit bzw. überlassen den Einkauf anderen. Eine ähnliche Situation findet sich bei Hausfrauen mit Kleinkindern ohne Pkw. Eine Einführung eines Gemeindetaxis wäre sicherlich sinnvoll, allerdings sollte dieses gut beworben werden und einen klaren Fahrplan haben (z.B. ähnlich einem Rufbus-System). Für die Planung, Umsetzung und bewerbung stehen auch hier wieder Beratungs- ExpertInnen kostenlos zur Verfügung.

Gemeindeförderungen für Energie

Die Energieförderungen in Matrei sind undurchsichtig und im Osttirol-Vergleich eher gering (siehe dazu: Energie-Portal des RMO). Hier sollten einheitliche Strukturen geschaffen werden.

Wir haben natürlich auch diskutiert, ob es nicht vielleicht doch auch gute Seiten der Klimaveränderung gibt und sind nur auf eine einzige, positiven Nebenwirkung gestoßen:

Daher lasst uns positiv denken und in Matrei etwas weiterbringen. Stillstand und verpasste Chancen hatten wir lange genug. Es ist Zeit für einen Wandel mit Nachhaltigkeit und für die Menschen in Matrei!

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