Nachruf für Franz Wibmer

Als ich am Dienstag von seinem Tod erfahren habe, ging es mir wahrscheinlich wie euch, ich wollte ich es zuerst einfach nicht wahrhaben. Und wirklich fassen kann ich es immer noch nicht, dass Franz nicht mehr unter uns ist.

Vor einigen Jahren hat sich Franz Wibmer bei mir gemeldet. Ihn störte die Benachteiligung kleinerer Wirtschaftstreibender gegenüber den Kreditkartenunternehmen. Wir haben uns dann zusammengesetzt und Aktionen und Maßnahmen dagegen lebhaft diskutiert. Schon damals stellten wir fest, dass wir in vielen politischen Positionen übereinstimmten. Franz war ein Querdenker und hat sich nicht an die allgemeinen Verhaltensmuster gehalten. Als ich ihn später fragte, ob er für die Grüne Wirtschaft bei den Kammerwahlen antreten wolle, war das für ihn kein Problem. Er wollte nicht nur kritisieren, sondern sich aktiv für eine Besserstellung der Klein- und Mittelbetriebe engagieren. Er sah das als eine ganz wichtige Möglichkeit, auch in Osttirol so was wie Aufbruchsstimmung zu vermitteln, … mit einer bisher zu wenig beachteten Kompetenz bei den Grünen: Der Wirtschaftskompetenz.

Mit großer Begeisterung stürzte er sich in die Wirtschaftskammerwahlen und hatte Erfolg. Er wurde als erster Grüner Vertreter Osttirols in der Wirtschaftskammer gewählt. Er war Mandatar der Fachgruppe “Handel”, Delegierter zur Generalversammlung und Mitglied der Landesleitung der Grünen Wirtschaft. Sofern es sein ohnehin dichter Terminkalender zuließ, war Franz stets für die GW da und nahm auch die weite Anreise nach Innsbruck auf sich. Dazu erinnert sich Angelika: „Von Anfang an ist er bei jedem Wetter, bei jeder Dringlichkeit, bei “Not am Manne” zu Sitzungen gekommen … immer mit einem kleinen Geschenk für Evelyn und mich dabei. Ich hab’ das als so rührend empfunden, so sorgsam. Ich seh’ uns noch auf der Arzler Alm sitzen, gemütlich mit allen anderen GW-lern nach der “so anstrengenden Wanderung”, oder beim Polit-Kulinarium, wo er, still und aufmerksam den Diskussionen folgte, die richtigen Worte zum Gesagten fand und es sichtlich auch genoss, hier dabei zu sein“.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch bei den Miteigentümern Martin und Robert bedanken, dass sie Franz sein politisches Engagement bei den Grünen ermöglichten. Schließlich sind für jemanden der in Osttirol lebt und arbeitet derartige Aktivitäten mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Franz setzte sich als Kammerrat insbesondere für die Interessen der kleinen und mittleren Betriebe ein, deren Probleme in unserer globalisierten Welt oft untergehen und nicht berücksichtigt werden. Als Grüner Kammerrat wurde er ja nicht unbedingt mit Begeisterung in den Gremien aufgenommen. Franz ließ sich aber nicht entmutigen und punktete durch seine Freundlichkeit und Offenheit, er war einfach ein äußerst sympathischer Mensch. Viel hatte er noch vor, er wollte den grünen Wirtschaftsthemen nicht nur in Osttirol eine Stimme geben, er wollte sich vermehrt in die innerstrukturelle Arbeit einbringen.

Die Gespräche mit ihm waren immer ein Genuss. Seine Ideen für eine bessere Wirtschaftswelt kannten keine Grenzen. Aber nicht nur die Wirtschaftsstrukturen lagen ihm am Herzen. Auch gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung waren für ihn unakzeptabel. Neben den typischen Matreier Lasserqualitäten beeindruckte mich Franz mit seinem breiten Wissen und seiner positiven Lebenseinstellung. Seine freundliche, positive Art, die geistreichen Gespräche mit ihm, seine Ideen und Visionen werden uns sehr fehlen. Ich bedanke mich, dass Franz Wibmer in seinem kurzen Leben soviel Zeit und Engagement für uns aufgewendet hat. Danke.

Sepp Brugger

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